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Der Zeitbedarf für das Erlernen
mehrere Formen des Karate ist daher sehr
hoch und ein tägliches Training erforderlich.
Bei richtiger Ausführung von Karatetechniken entwickelt
man eine sehr hohe Kraftwirkung. Diese entsteht nicht
primär durch die Muskulatur, sondern weitgehend durch
die biomechanisch richtige Art der Bewegung. Da diese
Bewegung oft aus einer Vielzahl an unterschiedlichen
Komponenten besteht, ist es sehr schwierig diese in
einer harmonischen Bewegung zu vereinigen. Man könnte
sagen eine Karatetechnik ist wie ein Philharmonie
Orchester. Alle müssen zur gleichen Zeit, in der
richtigen Lautstärke, den richtigen Ton treffen. Neben
dem grundstätzlichen Wissen, was alles zu der Bewegung
gehört, benötigt man auch das körperliche Feingefühl
diese Bewegungsmuster zu einer einzigen zu verbinden.
Reine muskuläre Kraft kann die tatsächlich mögliche
Wirkung einer Karatetechnik niemals erreichen.
Wie gesagt gibt es eine Vielzahl von
Versionen des Karate. Eine grobe Unterteilung findet
statt in die Schulen des Shorei-Ryu und des Shorin-Ryu.
Als Shorei-Ryu bezeichnet man alle Schulen die in der
Region der alten Stadt Naha beheimatet waren. Heute ist
Naha die Hauptstadt von Okinawa und die ehemaligen
separaten Städte wie Shuri und Tomari sind in Naha
eingegliedert. Das Shorin-Ryu bezeichnet die Schulen die
in Shuri und Tomari angesiedelt waren. Tatsächlich gibt
es in allen Karateschulen mehr oder weniger große
Unterschiede, jedoch sind die Unterschiede zwischen den
Schulen des Shorei-Ryu und des Shorin-Ryu am
deutlichsten. Besonders zum Ausdruck kommt dies in den
Kata. Kata sind die älteste und bedeutendste Übungsform
des Karate. Ähnlich wie bei einer Kür beim Bodenturnen,
wird hier eine bestimmte, festgelegte Zahl an
verschiedenen Karatetechniken hintereinander ausgeführt.
Die Kata ist dabei sehr komplex und erfordert nicht nur
die Ausführung der Technik, sondern auch die Fähigkeit
zum Timing und zum Wechseln der Geschwindigkeit in der
Bewegung. Die Kata zeigen dabei zwar deutlich die Form
einer Karatetechnik, jedoch niemals offen deren
Anwendung. Diese bleibt ein Geheimnis, solange bis der
Schüler vom Meister in die Geheimnisse der Anwendung
eingeweiht wird. Diese Form der realistischen
Anwendung einer Katatechnik wird Bunkai genannt.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war
Karate, was damals als Tóde bezeichnet wurde, eine Kunst
die nur im geheimen an ausgewählte Schüler weitergegeben
wurde. Erst im Jahre 1911 wurde ein okinawanischer
Meister ausgewählt um Karate auf dem japanischen
Festland zu unterrichten.
Wichtig hierzu ist zu sagen, dass die Okinawaner bis zur
Invasion der Insel durch die Japaner einen autonomen
Staat hatten. Die Besetzung war dabei keineswegs
willkommen und es kam auch immer wieder zur Tötung von
Japanischen Samurais durch okinawanische Karatemeister. Erst nachdem
die Okinawaner die Anbindung an Japan akzeptierten,
begann die Veröffentlichung des Karate. Dies geschah
zuerst durch den in Shuri beheimateten Meister Yasutsune
Itosu, der damit anfing Karate an okinawanischen Grundschulen
zu unterrichten. Später war es einer seiner Schüler
namens Gichin Funakoshi der nach Tokio ging um in Japan
das Karate vorzustellen. Aus Funakoshi's Karate
entwickelte sich schließlich die heute bekannte
Stilrichtung Shotokan. Weitere okinawanische Meister in
Japan waren Chojun Miyagi und Kenwa Mabuni. Beide lebten
in Osaka und waren eng befreundet. Auch zu Funakoshi gab
es Beziehungen und einige Kata des Shotokan stammen aus
dem von Kenwa Mabuni gegründeten Shito-Ryu. Chojun
Miyagi hingegen gründete das Goju-Ryu und ein
japanischer Schüler von Funakoshi namens Hironori
Ohtsuka, der später bei Kenwa Mabuni studierte, schuf
das Wado-Ryu. Auf Okinawa selbst gibt es weiterhin eine
Vielzahl an Karateschulen. So lernte Kenwa Mabuni, der
mit seinem Shito-Ryu den umfassendsten Karate Stil
geschaffen hat, das Karate der Shuri-Meister Itsou und
Matsumura, sowie der Meister Matsumora (Tomari), Peichin Aragaki (Niigaki)
und Kanryo Higashionna (Naha). Letzterer war auch der
Lehrer von Chojun Miyagi und ähnlich berühmt wie Itosu aus Shuri.
Weiterhin lernte Mabuni auch alte chinesische Kata vom Meister Go Kenki.
Kein anderer okinawanischer Meister dieser Zeit verfügte
über ein ähnlich umfangreiches Wissen über das
okinawanische Karate. Aber dieses war trotzdem bei
weitem noch nicht vollständig. In einigen Familien wurde
das Karate weiterhin geheim gehalten. So wurde das Ryuei
Ryu erst um 1970 veröffentlich. Auch andere Schulen wie
das Uechi-Ryu und Isshin-Ryu sind lange ausschließlich
auf Okinawa bekannt gewesen.
Karate ist mehr als eine Sportart. Es
ist eine Kunst bei der man lernt den Körper auf eine
besondere Art zu fühlen und zu beherrschen. Dies kann
nicht jedem gelingen. Voraussetzung hierfür ist ein
hohes Maß an Körpergefühl, dass nicht jedem
gleichermaßen angeboren ist. Trotzdem kann jeder der
Karate übt ausreichende Fortschritte machen und seinen
Körper positiv entwickeln. Allerdings gilt auch für das
Karate, was zu extrem betrieben wird, ist mehr schädlich
als nützlich. |